Neujahrsgruss 1/13

13, eine eher weibliche Zahl, die mich fein, zuversichtlich und ein wenig beruhigend stimmt. Es heißt, vor der patriarchalen Zeitrechnung mit den 12 Monaten waren es 13 Vollmonde, die unsere Zeiteinteilung bestimmten. Die psychologische Zeit sollte sich wie der monatliche Zyklus der Frau nach dem Mond richten. Wir Frauen lieben den Mond, der in anderen Sprachen meist weiblichen Geschlechts ist: luna, la lune... Mondige Nacht, geheimnisvolle Dunkelheit, Wärme der schwarzbraunen Erde. Unser Blut kann seine lebensspendende Wärme nur halten, darf es im Schoß ihrer dunklen Geborgenheit verweilen. Es braucht ihren verlässlichen mütterlichen Schutz, um pulsierend zu verharren und seiner Bestimmung zu lauschen. Um dann in seiner ursprünglichen Kraft unverfälscht strömen zu dürfen und sich liebend in der Welt auszubreiten. Die andauernde Anspannung im Lichte des ordnenden Geistes, der Ratio, bricht unseren Trieb der Hingabe. Dem herrlich strahlenden männlichen Gegenpart halten wir die weibliche Seele zur notwendigen Ergänzung bereit. Wir blühen auf in der schöpferischen Ruhe, die sich von der lethargischen Ruhe unterscheidet, welche im Kontrast zum Geschwindigkeitsrausch der Helligkeit lediglich erholt und beruhigt. Sie bedeutet Funkstille, Urlaub, Feierabend, eine Art Lautlosigkeit, die sich nur durch die Abwesenheit von nervöser Hektik und Stress definiert, und daher von keiner sehr wesentlichen Bedeutung ist. Aber hinter Stress und Urlaub, herrscht eine lebendige Ruhe, unendliche Stille, Schönheit der Glückseligkeit, nach der wir uns alle sehnen und die mit der Ruhe von Feierabend und Urlaub nichts zu tun hat. Warum trinken und essen die Menschen soviel in diesen ersehnten "Aus- Zeiten"? Das falsche Spiel wird zumindest durch die Süchte entlarvt. Wir können zu der großen Stille nur gelangen, wenn wir unsere im Kerker eingesperrte und abgelagerte weibliche Seele befreien. Die wichtige und verständliche Gleichberechtigung für die Frauen in der Männerwelt ist nur ein winziger Schritt in Richtung Wiederentdeckung der großen Mutter, die aus unserem Bewusstsein nahezu verschwunden ist. Wir sind durch unsere abendländische Prägung meilenweit entfernt vom Wissen der Wärme spendenden Kraft des großen Weiblichen. Unser lechzendes Sehnen raunt zwar noch von ihr, aber wir suchen sie an völlig falschen Orten. Überhaupt dass wir sie, außerhalb von uns suchen, führt uns immer weiter und weiter fort vom Ursprung, der Quelle für Mann und Frau. Die historisch bedeutsame Bewegung der Aufklärung in Europa, die uns von der tamasischen Dumpfheit des Mittelalters notwendig angehoben hat, führte leider nach und nach zu einem ausschließlich rational betonten Leben, in dem wir gefangen sind von der Spinne des Verstandes, die uns verschlingen will. Wir können ihrem gnadenlos zielstrebigen uns einwickelnden Faden, dem am Ende uns erstickenden Strang im Gefängnis ihres Netzes, nur entgehen, wenn wir auf den Schmerz hinter unseren Süchten schauen und uns nicht vor Erkenntnis drücken. Es ist ein Weg des Risikos, des Mutes und des rebellischen Wagnisses. An dieser Stelle liegt für uns eine Möglichkeit, die Nachfolge unserer Freiheitskämpfer der letzten Jahrhunderte anzutreten. Das Rätsel ist nicht mit dem Verstand allein zu lösen. Unmöglich. Wir befinden uns immer noch in der Zeit der Aufklärung, da wir das neu erworbene Wissen aus dieser Zeit bis heute nicht für unsere wirkliche Freiheit benutzt haben. Als Lückenbüßerin für die Feigheit hinter dieser permanente Sünde dient der tödliche Materialismus, der uns verschlagen die unterdrückte und verloren gegangene Wärme suggeriert. Die Jagd nach Materie kann nur zu einem Ende kommen, wenn wir erkennen, was sie eigentlich bedeutet. Das besonders von unseren Kirchenvätern aus Angst immer wieder systematisch vernichtete große Weibliche lässt sich aber nicht ausmerzen, sondern verlangt unerschütterlich nach Ausgleich. Die Sucht nach Materie, die für das kraftvolle warme Wunder der Mütterlichkeit und des Weibes steht, lebt und tobt gierig weiter in den Herzen und Körpern von uns Menschen. Suchtverhalten und Angst waren niemals so ausgeprägt wie im derzeitigen Wohlstandskapitalismus. "Materie macht glücklich". Immer lauter werdender Slogan unserer Zeit. Der Beweis für die geliebte Lebenslüge liegt uns blank zu Füßen. Alles schreit nach Erkenntnis. Der moralisierende Ruf nach politischer und sozialer Gerechtigkeit, nach Beruhigung von Hass, Neid und Kriegslüsternheit überzeugt nicht mehr. Hilflose Aufrufe seitens der Kirche, riesige Spendenaktionen der Prominenz oder verschlagene Sozialpolitik ziehen nicht mehr. Zu oft schon hat sich in aller Deutlichkeit gezeigt, dass diese Art Aktivitäten nicht ausrichten können, was sie versprachen. Lasst uns die Schönheit der 13 feiern, ihr ein Lied singen, sie umtanzen und ihr dieses Jahr mit Leib und Seele widmen, mit diesem Tanz endlich das dritte Jahrtausend starten!

Januar/ 2013