Zerfilmen 7/09

Zwei Mappen gefüllt mit diversen Videostills liegen nun vor. Sie belegen als dokumentarische Ausschnitte meine Tagebuchvideos der letzten zwei Jahre. Sie sind ein visueller Tanz. Mit ihnen zerfilme ich mein anhaftendes Leben- bisher vorwiegend um meine Bilder herum- in meiner Atelierwohnung-. Wenn ich sie dann anschaue, kann ich sehen, dass sie nur eine Vorstellung, ein Bild, eine Aufnahme des Lebens sind und ich sie aus einem anderen Raum  betrachte, aus dem heraus ich jetzt erkenne und still werde. Es ist das Geheimnis, das ich berühre. Die Offensichtlichkeit des Scheins unseres Lebens liegt dann so enorm klar vor. Um diesen feinen und zerbrechlichen Zauber festzuhalten, wähle ich  in seinem Banne jeweils eine Reihe von angehaltenen Momenten aus diesen Filmen aus und tüte sie, oft leise kommentiert, ein. Die Ordner mit diesen eingefrorenen Momenten haben einen so anderen Charakter als die Fotoalben, in denen die Vergangenheit besungen wird. Die Videostills machen ihrem Namen Ehre.
Das Leben zer- tanzen, zer- malen, zer- schreiben, zer- musizieren, zer- filmen.
Könnte ich es auch zer- sein?
Vielleicht liegt hier das fesselnde Geheimnis von Foto und Film. Nicht allein die Tatsache, dass sie so ‚wirklichkeitsgetreu’ abbildet-, wie soll das auch gehen-..............
Unübersehbar deutlich werden wir vom Charakter der Fotografie auffordernd berührt, da das Abbild scheinbar so hautnah dem gleicht, was wir erleben, sehen, uns vormachen und dann aber sogleich und drastisch deutlich wahrnehmen, dass es außerhalb von uns ist, also, dass es nicht die Wahrheit sein kann, nicht einmal die Wirklichkeit, sie ist doch schon wieder anders, und war sie denn einmal so wie auf dem Foto? Dieses für den Verstand nicht zu fassende Phänomen beunruhigt auf süße oder beängstigende Weise, macht uns  augenblicklich still, quasi wie ein kleiner Schock. Der sich aber auf der Stelle wieder als Unterhaltungswert verkaufen lässt und wir uns vorgaukeln, dass es die Wirklichkeit sei oder zumindest war, die uns da angedreht wurde.
Wenn Menschen sich adhoc im Handyfoto erblicken, geht oft ein kurzes, schönes Lächeln über ihr Gesicht. Das ist die Sekunde, in der wir erkennen. Diese Sekundenerkenntnis geschieht im Raum der schwarzen Rose, der dann meist auf der Stelle wieder verlassen wird, z.B. im Abspeichern, Herumzeigen, Beurteilen, Einrahmen, Ausstellen.
Kann ich diese kleine Schocksekunde der großen Schönheit im Videostill einschweißen, sie der Vergänglichkeit ein wenig entreißen?