Jiddu Krishnamurti (1895 - 1986)
Es gibt keine Schöpfung, wenn der Tod nicht alle Dinge hinwegfegt, die das Gehirn erfunden hat, um seine selbstbezogene Existenz zu schützen........Es ist Tod ohne Lächeln und Tränen. Es ist keine Maske, die verhüllt, die eine Realität verbirgt. Der Tod hat alles hinweggewischt und nichts übrig gelassen. Dieses Nichts ist der Tanz eines Blattes, ist der Ruf dieses Kindes........Tod ist das totale Nichts. Es muss ihn geben, denn aus ihm ist Leben, ist Liebe. Denn in diesem Nichts ist Schöpfung.
Ohne den absoluten Tod gibt es keine Schöpfung. (S.153)
Die Wahrheit ist in dem, was ist, nicht in der Reaktion auf das, was ist. (S. 105)
Wenn dem Verstand etwas Neues begegnet, worauf er keine Antwort hat, wofür es keine Worte gibt, wird er still. Wenn wir etwas vollkommen Neues sehen, das wir nicht wieder erkennen und mit nichts uns bereits Bekanntem identifizieren können, dann geben wir ihm keinen Namen. Wir beobachten, um herauszufinden, was es ist, und in diesem Zustand wacher Aufmerksamkeit gibt es keine Verbalisierung. (S. 39)
Ein Mensch, der wirklich kreativ ist, muss einmal ein Ende haben, und er akzeptiert es............
Wenn wir nicht in Begriffen der Kontinuität denken, dann wird es ein Sterben geben, und wir werden die Dinge klar sehen, so einfach wie sie sind, unmittelbar. (S.25)
Wenn aller Ehrgeiz von einem Moment zum anderen zu Ende geht, dann werden Sie den außerordentlichen Zustand kennen, nichts zu sein, sozusagen an den Rand einer unaufhörlichen Bewegung zu kommen und über den Rand zu fallen, in den Tod.............
Man kennt den Tod, denn der Geist stirbt jede Minute, und in eben diesem Ende ist Erneuerung, Neuheit, Frische, Unschuld – nicht in der Kontinuität. (S.88)
Sie werden herausfinden, dass ein totales Aufhören der Angst nur im Enden ist – im Enden des Gestern, des Gewesenen, das der Nährboden ist, in dem die Angst sich einwurzelt. Dann werden Sie entdecken, dass Liebe und Tod und Leben ein und dasselbe sind. Der Geist ist nur frei, wenn die Ansammlungen der Erinnerungen abgefallen sind.
Schöpfung ist am Enden, nicht in der Kontinuität. Nur dann vollzieht sich das ganzheitliche Handeln, das Leben, Lieben und Sterben ist. (S. 89)
aus : ‚Über Leben und Sterben’ - Reflexionen über die letzten Dinge -
Spirit Fischer/ 13656/ 4.Aufl.2002
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