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Ed Ruscha im Haus der Kunst, München 3/10 (2.Fassung) „Haus der Kunst/ München“ „Ed Ruscha“ Zwei Riesenphänomene zeitgleich an einem Ort. Wie wird sich dieses Zusammentreffen auswirken! Das möchte ich unbedingt erleben.
Das legendäre „Haus der Kunst“ in München.
Dagegen kann ich nichts sagen, bedenke ich die Absicht der versuchten Wiedergutmachung oder gar der gewünschten Wandlung. Es wurde damals von Entnazifizierung gesprochen, als man sich nun verpflichtete, diesen Bau jetzt ohne nationale Einschränkung ‚Haus der Kunst’ zu nennen. Aber jetzt, da ich mit Leib und Seele dort war, an diesem Ort in München, rufe ich laut: Es geht nicht! Und es wird auch niemals gehen! Wenn es auch nur meine persönliche Einschätzung bleiben sollte, so ist es mir doch schleierhaft, dass empfindsame, künstlerische Seelen zugestimmt haben, in derartig belasteten Räumen ihre Bilder zu zeigen. Hier kann keine Kunst bestehen. Sie wird sich hier nicht entfalten können, ohne Schaden zu nehmen. Jede Form schöpferischer Energie wird sich an diesem Ort einer Begegnung verschließen. Und so habe ich das malerische Werk Ed Ruscha’s hier auch erlebt, weitgehend leblos, den riesigen Räumen von kalter Dominanz nahezu ausgeliefert. Große Betrübnis über die Unmöglichkeit der angemessenen Wahrnehmung überkommt mich. Wie gut kann ich an diesem Beispiel plötzlich die Bedenken großer Künstler nachfühlen, die auf Abnahme ihrer Werke bestanden, wenn diese nicht in angemessenem Licht erscheinen durften. Wie gespannt war ich! Der amerikanische Gigant der 50er und 60er Jahre, der mir neben all den anderen aus der Zeit der Pop-Art nahezu basstönender Begleiter der Entwicklung meiner Auseinandersetzung mit der Welt der bildenden Künste war. Ihn sollte ich nun hier erleben. Echte amerikanische Kunst in einem sehr deutschen Haus. Innerlich rieb ich mir fast die Hände in einer Art naiven Vorfreude auf diese Begegnung von Ed Ruscha mit unserem deutschen Erbe. Er wird sie schaffen, flüsterte mir meine heimliche Liebe zu den großen Popkünstlern der U.S.A. zu, die Begegnung mit dem Bösen. Unserem verengten Blick aus dem egozentrischen, spießbürgerlichen Wirtschaftswunderland der 50er Jahre mit totgeschwiegener Geschichte waren Erfahrungen mit der Berührung der Kunst der U.S.A. aus dieser Zeit gleichsam eine paradiesische Befreiung. So jedenfalls habe ich den Kontakt mit der Kunst 1967 erlebt, in New York in den großen Kunstmuseen der Moderne und auf der Expo 67, Weltausstellung in Montreal, auf der mitten im gläsernen, amerikanischen Pavillon ein riesiges Gemälde des Beins eines Feuerwehrmannes von James Rosenquist unter der Decke hing...................Ja, und natürlich gehörte meine Verehrung bei jedem entsprechenden Kinofilm dem weltweit bekannten Emblem der Twentieth Century Fox von Ed Ruscha! Aber ach! Wie hat es Ed Ruscha in München in diesem Haus nur ausgehalten, seine Kinder, - wie er seine Bilder nannte,- aufzuhängen! Vielleicht ist er weniger sensibel wie wir, was die Vernichtung deutscher Kunst angeht. Er ist ein ‚Oklahomaman.’ 1937 in Nebraska geboren, einer Cowboystadt mit vielen Ranches und Ölförderung. Die Geschichte von Oklahoma geht zurück auf die Landnahme im Jahr 1889, als die Regierung in Washington ihr Versprechen brach, ein letztes indianisches Territorium zu bewahren. Ich traue mich nicht, eine emotionale Einschätzung seines malerischen Werkes vorzunehmen, das ja hier im Mittelpunkt der Ausstellung steht, da ich nicht abzuschätzen vermag, wie viel der künstlerischen Energie seiner Arbeiten durch die mörderischen Hallen, Säulen und Mauern verschluckt wird. In gewisser Weise passte dann doch das kühle Werk dieses Malers in diese eiskalte Umgebung, schrecklich gut. Ed Ruscha entstammt einer jungen Nation, die nur eine minimale Kulturgeschichte aufzuweisen hat, die sich aus ehemals geflohenen und ausgewanderten Europäern ein kleines Gerüst von Geistesgeschichte zu rechtgezimmert hat. Der geistigen Entwicklung dieses ungewöhnlichen Volkes wurde das Glück zuteil, von den Schwarzen den Jazz und den Blues geerbt zu haben und im Laufe des 20.Jhs.von vielen geflohenen, meist jüdischen Künstlern aus Europa und anderen Ländern den Spirit für die Weite und den Einfluss von wahrhaftiger Kunst erfahren und sich dadurch maßgeblich neu etabliert zu haben. Ed Ruscha als echter Amerikaner hat nicht kommentiert, nicht psychologisiert, nicht angeklagt, nicht imitiert. Er hat dargestellt, was ihm als U.S. - Bürger seiner Zeit an seinem Ort begegnete, Straßen, Schilder, Ecken, Flächen, Wörter, Buchstaben vor dem Hintergrund von klischeehaft erlebter Natur. Eine ungeheure Leistung, wie ich finde. So ohne Kommentar in den künstlerischen Riss zu gehen, sich in den emotionslosen Strudel des Erlebten zu werfen, ohne zu hinterfragen oder auszuweichen. So kann Veränderung eingeleitet werden. Wenn meine Einschätzung Ed Ruschas etwas verkürzt ausfällt, liegt es sicher neben dem oben erwähnten Phänomen der gekappten Wahrnehmungsmöglichkeit auch daran, dass sein riesiges fotografisches, grafisches und filmisches Werk in diesem Text, der Ausstellung entsprechend, nicht zur Sprache kommt. Wenn ich mir herausnehme, zu behaupten, dass er wohl als ‚Maler’ überschätzt dargestellt wird, berührt mich zugleich seine dynamische und auch poetische, künstlerische Energie, die uns das Schicksal und das Verständnis von den U.S.A. näher gebracht hat. Allerdings: Der beherrschte Mut seiner kraftvollen Kunst ist in den Mauern dieses „Hauses der Kunst“ kaum noch zu spüren, schwindet sogartig. Mir ist es ein Rätsel und gleichzeitig klage ich es an, dass unsere deutsche Presse, besonders auch die Kunstpresse, diese Ausstellung kommentiert, als wäre sie an einem beliebigen Ort der Kunst zu sehen. Es darf nicht genügen, wenn es in der ‚taz’ vom 9.3.10 am Ende eines recht landläufigen Artikels lapidar heißt: „50 Jahre Ed Ruscha finden hier nicht nur einen Ausstellungsraum, sondern einen Rahmen!“ Mein dringender Wunsch wäre: Das missbrauchte Haus der Kunst in München, diesen schrecklichen steinernen Bau, der wahrhaftiger Kunst kein Raum und kein Rahmen mehr sein kann, absterben zu lassen. Schwer, bedrückt vor Übelkeit verlasse ich die riesigen Hallen dieses Kolosses, das kein Haus ist und dessen Namen ich nicht fühlen, denken noch aussprechen kann. Hat die derzeitige Kulturlosigkeit unseres Landes mit dem Geschehen dieses unmenschlichen Terrors von vor ja nicht allzu langer Zeit nicht doch sehr viel zu tun? Die suchtartigen Massenveranstaltungen aller Art, die Niveaulosigkeit unserer Unterhaltungsindustrie, die ausgereizte Kommerzialisierung jeglicher Kunstäußerung? Hat denn unser Land etwas anderes verdient, wenn immer noch geschwiegen wird und neokonservative Gruppierungen das Sagen haben? Ich wünschte mir, dass Ed Ruscha schnell seine Bilder hier heraus holte und ich sie einmal an einem anderen Ort, seiner Kunst angemessen, erleben dürfte. |
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