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Vorsicht Workshop! 11/12 Was brauchst du. Was beschäftigt dich. Was tut dir gut. Womit möchtest du dich auseinandersetzen. Was möchtest du spielen. Welches Bedürfnis peinigt dich. Mit welcher Frage quälst du dich herum. Was fehlt dir so sehr. Was hast du an den anderen, an der Welt, an dir auszusetzen. Welche Neigung möchtest du endlich aktivieren. Welches verborgene Talent soll nicht weiter ungenutzt in dir schlummern. Mit wem möchtest du reisen, tanzen, malen, zeichnen, fotografieren, schreiben, lesen, singen, lachen, sprechen, dichten, nähen, turnen, kochen, essen, trinken, Wellen reiten, wandern, reiten, boxen, musizieren, flirten, ausgehen, fliegen, klettern, schwimmen, mailen, simsen, schoppen, Rituale erleben, Visionen suchen, beten, meditieren, heilen, schreien, weinen, schmusen, Sex haben, feiern. Klicke deine Neigung, die du mit anderen gemeinsam ausleben und teilen willst, als Suchbegriff im Internet an und dir wird sich ein Paradies aufblättern. Du findest auf jedem erdenklichen Feld deiner Sehnsucht einen Anbieter, der dir entgegen kommt, dich in deiner Not hört und dir Gelegenheiten aufzeigt, wie, wo, wann und mit wem du dich entäußern kannst, sodass deine bedürftige innere Befindlichkeit sich mit Sicherheit zum Positiven verändern wird. Dir werden Kurse angeboten, in denen du etwas lernst, in denen du darüber hinaus mit Gleichgesinnten ein Wirgefühl entwickeln darfst, das deiner Einsamkeit entgegen wirkt. Neben regelmäßigen Kurs- Terminen, die dir helfen deinen Lebensplan verlässlich zu strukturieren, wirst du ein Angebot von Workshops entdecken. Sie sind die Krönung der gehobenen Unterhaltungsindustrie. Diese luxuriösen Glanzlichter der jeweiligen Kurse sind für Arme übrigens nicht erschwinglich. Gleich Festen werden die Workshops von langer Hand geplant, kommen im Gewand einer Ausnahmesituation daher und locken mit schillernden Begriffen, Titeln, Bildern und Versprechungen, denen sich nur schwer zu entziehen ist. Hier tauchst du ein in eine auratische Feier zusammen mit Teilnehmern aller Couleur aus verschiedenen Kursen und Schulen des Feldes deiner Lieblingsbeschäftigung. Es ist gleichsam die Belohnung deiner zuvor regelmäßig geleisteten Anstrengungen. Ein befreiendes Gefühl übermannt dich schon beim Erblicken der Gleichgesinnten, die zu dem Ort ihrer Wahl wallfahrten. Lächeln und Umarmungen sind neben meist erheblichen Kosten die all inclusive- Eintrittskarten, die dir winken und am Ende der Veranstaltung mit Sicherheit deinen Heimweg versüßen. Nun brauchst du nur noch deinen Terminkalender zu zücken, da die Workshopanbieter meist ein jahrelang im Voraus strukturiertes Angebot vorlegen, und dein Leben ist durch ein stabiles Gerüst nicht nur bereichert sondern auch wohltuend gesichert. Es gibt bei diesem scheinbaren Sicherheitssystem allerdings erhebliche Haken. Z. B. sind die Lehrer, Anbieter, Betreuer und Organisatoren auf lange Sicht nicht selten von minderer Qualität. Selbst dann, wenn ein engagierter Leiter zu Beginn seiner Ausübung vielleicht von guter oder gar sehr guter Qualität war, droht diese häufig zu kippen, da Überschwang, Eitelkeit, Geldgier, Wettbewerb, Ruhmsucht und Schlimmeres auch vor profilierten Kurslehrern und Workshopmeistern oft nicht Halt machen. Dieses Gift ist eben leider auch auch auf den spirituell ausgerichteten Gebieten zu beobachten und zu schlucken. Besonders hier erscheint mir die psychologische Ebene bedenkenswert. Sowie du als leitender Lehrer einen Kurs anbietest, bist du ja automatisch in einer Position, die sich mit psychosozialen Phänomenen befasst und du begibst dich auf ein Terrain wirksamer Energien, die es zu erspüren und zu überschauen gilt. Bei diesbezüglichen Gedanken und der Frage nach Verantwortlichkeit entziehen sich die nicht selten selbst ernannten Meister gern. Verschlagen verweisen sie dann auf das ES, das sie vom Zen- Buddhismus her kennen, das sich, wie Yin und Yang, schon längst in unsere Alltagskultur eingenistet hat. Das oberflächliche Verständnis dieser tiefen Weisheiten verleitet zu lapidaren Äußerungen und kann entsprechend zu gefährlichen Verhaltensweisen führen: "Ich lehre ja nicht, ich leite die Gruppe nicht, ES lehrt, ES leitet". So ungefähr eine von mir schon mehrmals vernommene Entgegnung auf die Frage nach Verantwortung. Bei unzureichenden psychologischen Kenntnissen des Leiters ist in diesem Licht die Aufnahme und eigentliche Nichtleitung eines Suchenden, der sich anvertraut, hingibt und leiten lässt, eine Anmaßung, da hier unübersehbare Gefahren lauern. Dem Schüler werden Sicherheit und seelischer Erfolg vorgegaukelt. Die erlebt er meist aber nur während der Anwesenheit im Kurs. Was ist zu Hause beim Aufwachen im Kämmerlein? Darüber wird nicht nachgesinnt. Das Sicherheitsgerüst trägt nur, solange er regelmäßig die Kurse besucht und sich in der Gruppe aufhält und möglichst häufig rechtzeitig die verbilligten Frühbuchungen für die Workshops wahrnimmt. Auf diese Weise entwickelt sich in den Kursen unübersehbar eine spürbare Clan- Atmosphäre, ähnlich der einschnürenden Strukturen von Familie. Es gibt zwar keine verpflichtenden Verträge, was die Sache aber nicht weniger brenzlig macht. Diese Art Methoden kennen wir vom freien Markt, wo sie schon schlimm genug sind, denen man zwar nicht unbedingt folgen muss und auch ohnehin nur folgen kann, wenn man das notwendige Geld dafür hat. Hier aber geht es ja nicht in erster Linie um Unterhaltung oder Konsum, sondern häufig genug um tiefe seelische Phänomene von Leben und Tod, um innere Entwicklung, Wachstum und Wandlung. Auf diesem Felde muss mit Menschen in allergrößter Wachsamkeit und in sensibelster Verantwortung umgegangen werden. Es lassen sich aber dieser entscheidenden Tatsache zum Trotz ungelernte Leute verschiedenster Couleur adhoc zu Kursleitern aller Art ausbilden und zertifizieren, von wem auch immer. Und sehr bald basteln sich nicht wenige aus einem mehr oder weniger modischen Gerüst ein lukratives Unternehmen. Wenn sie genug Talent, Ausstrahlung und Unternehmergeist haben, geben sie häufig ihre ehemaligen Berufe auf. Natürlich ist ein regelmäßiger Beruf in unserer vom Wahnsinn geleiteten Gesellschaft nicht leicht durchzuhalten. Niemandem, der sich aus der Schlinge des aktuellen mörderischen Wettbewerbs herausziehen möchte, könnte ich dies verübeln. Es ist nur nicht so einfach mit dem Wechseln, mit dem 'etwas ganz anders zu machen als bisher.' Die Strukturen, die ich verlasse, stecken ja nicht nur in der Sache und in meinem Gegenüber, sondern vor allem in mir selbst. Und ich werde sie mit Sicherheit wieder einsetzen und anwenden, was immer ich auch im zweiten Versuch unternehmen werde. Diese Erfahrung machen alle Menschen nach Trennungen, wenn sie sich mit einem neuen Partner zusammen tun. Wenn du nicht in der Tiefe an dir arbeitest, wirst du mit dem nächsten Partner dasselbe Desaster wie zuvor erneut erleben. Und ähnlich ist leider nur allzu häufig zu beobachten, dass Menschen, die sich auf spirituellen Feldern eigentlich nun endlich so ganz anders gerieren wollen als auf den traditionellen und bekannten unserer Gesellschaft, denselben Mechanismen erlegen sind wie eh. Eitelkeit, Neid, Machtgehabe, Ausbeutung, Geldgier, Ausgrenzung, Verurteilung von Ausreißern, Kritikunfähigkeit schmoren unterhalb von musisch- spirituellen Vergnügungen und Workshoperlebnissen. Du brauchst dich als Schüler bzw. Teilnehmer dem jeweils angesagten Mainstream gegenüber nur indifferent zu zeigen, nicht ganz in der Erwartungshaltung mit zu schwimmen und schon bist du missachtet. Es herrscht hier wie überall eine unausgesprochene Moral, die oft gar nach Strenge schmeckt. Erinnerungen an Familie kommen auf. Wenn du z. B. am ehemals heiligen Sonntag, an dem einmal zumindest in Europa nicht gearbeitet wurde, Sport und andere unterhaltende Ereignisse verpönt oder gar verboten waren, deinen Workshop aufsuchst, herrscht häufig eine verhaltene, scheue Atmosphäre. Alle sitzen im Kreis, sind müde von den Nachwirkungen vom Vorabend und lauschen den Worten des Leiters wie ehemals dem Vater, Priester oder Pastoren. Wenn dieser eine gute Kraft und Präsenz hat, weiß, was er vertritt und was er wirklich will, kann unter Umständen dieser Moment der beste vom ganzen Workshop werden. Wenn er sich allerdings unsicher fühlt in diesem von unserer abendländischen Kulturgeschichte belasteten Augenblick der äußeren Stille, das Wort abgibt und lau in die Runde fragt: "Wie geht es Euch?" Dann sprechen daraufhin meist die schwächsten Mitglieder mit dem größten Mitteilungsbedürfnis und dem lautesten Jammerton und erschlagen die Atmosphäre zum Kulturbrei, der noch nieder ziehender ist als eine Predigt in der Kirche. Unerträglich und zugleich exemplarisch für das hinter der Fassade der Workshops sich auftuende Jammertal, das so dringend angeschaut werden müsste. Aber doch nicht, indem man zum Beispiel eine Frau sagen lässt, dass sie schlecht geträumt hätte!. Und dass eben der Leiter so gar nichts weiß von Möglichkeiten, mit Träumen umzugehen, die gesamte Erfahrung von hundert Jahren fundierter Psychologie scheinbar ungeniert übergeht. Auch dass er nichts von Erkenntnissen weiß oder wenigstens ahnt, die unser 21. Jahrhundert einläuten, die wir von Quantenphysikern und großen spirituellen Meistern erfahren.......Wenn du die Thematik deiner Wahl für ein Kurs/ Workshopangebot im Internet verfolgst, kannst du nicht selten eine flächendeckende Ausbreitung über die Erde beobachten. Zum Beispiel: Engel, Tanz, Visionssuche, Massage, Heilen, Singen, Beten. Es entsteht eine Art Parallelgesellschaft, die hinter der neuartigen Thematik leider nur allzu häufig von uralten Mustern geprägt ist und genau die Phänomene aufweist, von denen man sich eigentlich absetzen will. Ich beobachte aufgesetzten Frohsinn, Zwänge, hochmütige Beurteilungen, ausgrenzende Verhaltensweisen, Qualitätsgehabe, Prominentengeflüster. So leicht ist es eben nicht, sich zu verändern, auszusteigen, alles ganz anders zu machen. Familienbande lösen sich auf, Kirchenzugehörigkeit wird aufgegeben, Partnerschaften krachen. Und was passiert? Die Strukturen, ihre Muster werden nur verlagert. Der Ahnensog wirkt mächtig und hebelt durch zementierte Prägungen unser oberflächliches Bemühen mit Leichtigkeit aus. Workshop als Familientreffen. Kursteilnehmer als Lebenspartner, Kursleiter als Vater, Workshopveranstalter als Priester, der schummrige Workshopraum als Mutterschoß. Dem wäre nichts entgegen zu halten, wenn die neuen Felder wirklich neu wären, sich nicht nur neu gerieren wie der berühmte Wolf im Schafspelz. All dies zu erkennen, bringt mich in eine Position der Verantwortlichkeit, der Verpflichtung, den verbleibenden Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts ins Auge zu schauen, ihnen nachzuspüren und sie zu leben. Es geht mir dabei um die Freiheit des Menschen, um das Loseisen von den seit zweitausend Jahren erwürgenden, nicht nur moralischen Ketten unseres Abendlandes. Bei einer derartigen bewussten Wachsamkeit hätten die Veranstaltungen eine große Chance. In den Kursen und Workshops herrscht aber nicht selten ein Herdentrieb, der von den Leitern, mehr oder weniger bewusst, eingesetzt und benutzt wird. Es entstehen dann oft Situationen, die mich gruseln und die von Verbandszwängen und Massenphänomenen nicht weit entfernt sind. Die vor allem in ihren energetischen Wirkungsmechanismen meiner Meinung nach von den Verantwortlichen oft nicht oder nicht zureichend erkannt und beherrscht werden. Die Auswirkungen, die jeder einzelne in seinen Alltag mit hineinnimmt, können in ihrer Tragweite unmöglich übersehen werden. Natürlich ist letztlich jeder Teilnehmer selbst verantwortlich für sein Leben und seines Glückes Schmied. Doch verharrt in mir große Skepsis, was diese sich fast suchtartig ausbreitende Workshopmentalität angeht. Angst und Verwirrung unserer Zeit werden weiterhin mit Sicherheit zunehmen. Und damit wird auch das Bedürfnis nach Zugehörigkeit des Einzelnen wachsen. Die Vermeidung von dem notwendigen Bekenntnis zum Allein- Sein als Voraussetzung zur inneren Freiheit weicht nur zu gern einem krankhaften Harmoniebedürfnis. Die Workshopideologie hat gute Karten. |
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