TARGET 2/10
Hellwach. Mitten in der Nacht steht mir plötzlich das Wort ‚target’ vor Augen. Ich soll es aufschreiben und gehe an meinen Schreibtisch.
Am kommenden Morgen erscheint mir dieses notierte Wort wie ein Begriff, der Macht über mich gewinnt, mit dem ich arbeiten soll. Nie gehört, keinerlei Emotion.
Ich blättere in unterschiedlichen Lexika: Substanz, auf die Strahlenenergie gelenkt wird, um in ihr Reaktionen zu erzielen (Atomphysik). Ja, so empfinde ich mein Herz.
Ein 80x100cm Format/ Leinwand wird mit einem Herz in Asche bearbeitet. Feuerrote Lichtglut tropft Lava gleich auf/von/durch mein Herz. Weiße Holzkistenlettern markieren dieses Gebilde mit dem Schriftzug TARGET. >>>
In englischer Sprache hat target diverse Übersetzungen: Ziel, Zielscheibe, Weichensignal, runder Schild.
Eine zweite mit Asche grundierte Leinwand formt sich zu einer verschneiten, eiskalten Winterlandschaft ’TARGET’ - Zielscheibe der/ vor der Kälte - in mir - in euch -.
Draußen herrscht tiefer Winter und sendet mir fahles Licht für dieses kalte Bild.
Eine dritte Leinwand gestaltet sich dann an einem sonnigen Tag zu einem ‚Geschenk’ TARGET/ GAVAN (gift). Eine sich zu einer Spirale lösende Zielscheibe entlässt eine Rose in loser Umgebung. Hier stand mir ‚Vandelmässa’ -Akkordeonmusik von Lars Hollmer- Pate.
Einige Zeit später nehme ich den Tod von Kenneth Noland wahr, dem Pionier des Hard- Edge, auch des Colour- Field- Painting. Wieder geht ein großer Maler der amerikanischen Pop-Art, die ich seit einem Besuch 1967 in den U.S.A. für immer in mein Herz geschlossen habe.
Umso mehr wundert mich:
Seine Streifen, seine Buchstaben, seine Kreise, ja natürlich! Noland wird in einem Nachruf der König des Target- Painting genannt. Dass ich den Begriff jetzt erst über meine nächtliche Eingebung entdecke. Mir waren die ewigen Kreise als abstrakte Formen nie so recht zugänglich, wurden auch in der Literatur meines Wissens nicht inhaltlich diskutiert, da ja die Oberfläche der Dinge das Credo der Pop-Art war. Zudem haben mich die Maler der Pop-Art als abstrakte Künstler wenig interessiert. Da war ich halt besseres gewohnt aus unserer europäischen Geschichte, wie zum Beispiel die russischen Konstruktivisten, das Bauhaus u.a. Aber vielleicht, genau wie bei Jasper Johns, amerikanische Bilder, abstrakt ja, aber diese ewigen Kreise..............Zielscheibe, Krieg, Indianer, Schild als Schutzwaffe, Spiele, Atom, Schilder......
Bei einem Besuch der Retrospektive von Ed Ruscha im Haus der Kunst/München (s.Wort/ Reisen) erfahre ich, dass die ‚Targets and Flags’ von Jasper Johns Ed Ruscha dazu bewegt hatten, Künstler zu werden........
Eigentümlich stark bewegen mich diese Gedanken. Dass drei Giganten der amerikanischen Pop- Art sich mit dem Thema Target beschäftigten, wie unausdrücklich auch immer. Mich beschäftigt es nun ausdrücklich, dieses TARGET.
In der Nacht erscheint es mir und fordert mich unmissverständlich auf, für ihn eine Gestalt zu finden, ihm Leben zu geben.
Vielleicht steckt in dieser Aufforderung die Absicht, neben der abstrahierenden Konzentration, mich dem Lebenskampf endlich realistisch zu öffnen, wie es von den Amerikanern immer stark gefordert wurde und nun auch von uns abverlangt wird, den verträumten Romantikern des alten Europa.
Sicherlich würden die ‚Target-Maler’ schnauben, läsen sie meine Gedanken, übrigens alles große, kräftige Männer, die nicht gerne viel Worte machen.
Es warten schon drei weitere Leinwände auf TARGET-COLOR, vorbereitet mit Asche, schwarzer Ölfarbe und aufgelegtem Korallenstaub vom Saum des südlichen Mittelmeeres.
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