EMOTIONS 1/11

Ein neues Kapitel ist aufgeschlagen.
Mit dem Überraschungstitel emotions (englisch auszusprechen).
In den letzten drei Tagen entstanden die ersten Poems unter diesem Namen:
- sadness
- despair
- anger / wut

Heute füge ich ein viertes Poem hinzu. Sein emotion wird die Bosheit >>> sein. Wenn ein emotion überschwappt, sich derart ausbreitet, dass ich es nicht mehr ertrage, verdichte ich seine Macht im Wort.
Meine bisherigen Essays beginnen häufig unter der Einwirkung bzw. der Auswirkung eines emotions und entfalten sich dann nach und nach zu einem anstehenden Thema. Aber was ist, wenn dass emotion mich wegreißt, nicht literarisch warten kann, sondern mich schlicht attackiert?
Wenn es danach schreit, erhört zu werden, und zwar in reinster Form, ohne wenn und aber? Dann ruft es allenfalls nach knappster Gestaltung, durch die es derart aufs Papier darf, wie es soeben auf dein Gemüt sprang.

Vor dieser vehementen und direkten Aufforderung eines derart aufbrausenden emotion hat sich eine Zusammenbrauung unverfälschter Auslöser vieler kleinster emotions ereignet. Dein vernünftiges System wurde zunächst nur immer leicht verunsichert. Jetzt aber durch die Macht dieser Ballung wird es nahezu ausgehebelt. Du bist nicht mehr in der Lage, mit gewohnten Reaktionen zu arbeiten und musst jetzt diese Klette aufgestiegener Stimmungsfetzen erhören. In seiner Dichte lässt dieses Substrat, -eine laute, fast herrische Energie,- es nicht mehr zu, von dir unter den Teppich gekehrt zu werden. Du wirst gezwungen zu handeln. Ein emotion ist eine Ergebnisform abgelagerter Reaktionen, die einmal aus innerer Not von dir missachtet wurden. Du hattest ihm schon in seiner Entstehungsphase untersagt, sich zu artikulieren. Es durfte keine Gestalt annehmen, um in einer neuen Form deinen Körper zu verlassen und jetzt in gewandelter Eigenschaft eventuell jemandem zu begegnen o.ä. Es hätte sich so in von dir genehmigter Gestaltwerdung im zwischenmenschlichen Bereich tummeln und sich auseinandersetzen können, um auf diese schöne Weise tanzend zu zerrinnen. Was ja sein größter Wunsch ist. Auch ein emotion will sterben dürfen!
Aber was machst du mit einem solchen feinen aufsteigenden emotion? Schon im Keim tötest du es ab. Da es aber als eine frisch geborene Energieform nun einmal da ist, kann dieses emotion nicht wieder verschwinden. Unmöglich. Da ist da. Durch deinen Versuch, diese blütenfrische energie abzudrängen, erhält das emotion seinen ersten Stempel: "du bist nicht erwünscht." Du bist nichts wert."
Es zieht sich in Trauer zurück und verkriecht sich in einer Zelle deines Körpers. Dort lauert es auf einen Bruder oder eine Schwester. Dein rigides System sendet ihm sehr bald Geschwisteremotions. Sie suchen sich Gleichgesinnte, um zu überleben. Sie raufen sich zusammen, um ihre Energie zu steigern. So lagern nach einiger Zeit tausende von emotions gehäuft in deinen Zellen. Sie ballen sich zusammen und warten auf Gelegenheiten.......
Ist ihre Aufsässigkeit groß genug, drängen sie sich bei der ersten Achtsamkeitskrise deines Systems hervor. Sie befreien sich auf heftige Art und Weise aus ihrer Haft und schießen gleichsam hervor. Ein emotion grande ist geboren.
Für dich ist damit die letzte Chance gekommen, ihm endlich Freiheit zu gewähren. Es schreit, tobt und verschafft sich unmissverständlich Gehör. Wenn du das emotion jetzt in dieser intensivierten neuen Form ein zweites Mal mordest, wird dein System unweigerlich mit Krankheit antworten. Diese spannungsgeladenen, großen Gebilde verkletteter emotions können nur noch auf Kosten von andern Energien in deinem Inneren existieren. Also wird ein Mensch, der nicht untergehen will, diese letzte Gelegenheit nicht versäumen und das emotion grande begrüßen, wie auch immer es sich geriert. In Achtung wird er ihm eine Gestaltwerdung gewähren, damit es sich dann vermitteln kann.
Die Gestalt, die ich einem solchen emotion grande schenken möchte, ist ein Poem. So gebe ich ihm seine Freiheit zurück, indem ich Buchstaben, und Silben für seine Energie finde, in denen es zunächst einfach schwimmen kann. Langsam entwirrt sich das emotion grande, flüstert mir Worte zu und ist in der Lage, nun aus seinem inhaftierten Dasein zu weichen. Es wird befreit von seinem Drang, zu attackieren. Es kann sich jetzt quasi entpuppen und eine neue Gestalt annehmen.
Durch meinen Stift fließt die gewandelte Form. Das emotion ist neu geboren und zugleich gestorben.