bosheit

du bosheit tobst in schönster kraft,
die wogen müssen brechen.
entlassen jetzt aus kerkerhaft
woll'n sie sich endlich rächen.
sie schmettern mitgebrachten dreck
in wollust ans gestade,
ihr bug hat nicht das kleinste leck,
und nichts ist ihm zu schade.
metallene dornen glühen zart,
erspähen opfer am strand.
unbarmherzig und eisenhart
als krönung der wogenwand.

greife mich bosheit und nimm mich mit,
zertrümmere meinen verstand,
geliebte woge, mein seelenkitt,
ich tanze in deiner wand.
strecke mich mit dir meterhoch,
werde zur kralle im kamm,
ergebe mich willenlos deinem sog
gleich einem amorphen schwamm.
fluchend will ich zerschmettern mit dir
und krachen auf den stein,
zerstören möcht ich im jetzt und hier,
zerfetzen fleisch und gebein.
freunde, nachbarn und familie
vergraben wir im sand,
schmiege mich gleich einer lilie
an deine wogenwand.
so brechen wir selbst uns donnernd böse
am weißen strand in tausend fetzen,
in giftig streitendem getöse,
dass alle flüchten, rennen, hetzen.

wir singen in der bosheit lust,
verschwunden ist des lebens frust.

tief neige ich vor dir mein haupt,
geliebte bosheit, große kraft.
sehr lange war dir nicht erlaubt,
zu fliehn den kerker deiner haft.
ich küss die erde nun vor dir,
mein auge fließt, du willst mich blenden
mag gar nicht scheiden mehr von hier,
ich kann mich nicht mehr von dir wenden

so beuge ich erneut mein haupt
vor dir, du untier groß.
sei es mir einmal nur erlaubt,
zu öffnen meinen schoß.
du bist meine meisterin,
ich diene dir doch nur,
leg' mich ergeben vor dich hin
in deine teure spur.

die woge der bosheit zerbröckelt im wind,
ihr schaum versickert im sand,
wir waren zu zweit und ich ihr kind
mit einem farbigen band.