Weihnachten 04 / München, Köln
Wenn am Heiligabend um 18 Uhr die Athmosphäre bei McDonalds lebendiger ist als im Kölner Dom,
müßte das eigentlich die Kunst revolutionieren.
Die großen Künstler haben gar keine Kunst gemacht, sondern nur die reine
Erfahrung ausgedrückt.
Seltsam, dass gerade bei der frühchristlichen Kunst mir das auffiel:
Hier wurde ich still. Hier schien mir die Kunst unpersönlich im weiten Sinne.
Wie geht das zu- wo doch gerade die Religion des Christentums uns zum Gegenteil,
der Ichhaftigkeit aufgerufen und getrieben hat? Allerdings: die erwähnten Bilder sind in ihrer
Schönheit von einer fast unerschütterlichen Ernsthaftigkeit.
Wie herrlich bieten die lichten, großzügigen Architekturen einen würdigen Rahmen
für die Kunst der Moderne. Sie hofieren dieselbe Kunst, die noch vor 60 Jahren getreten und zerstört
wurde. Wie seltsam die Vermutung - in der Pinakothek der Moderne in München - die Wärter seien die
sühnenden Nachfolger der Kunstschlächter, ihrer Vorfahren!
Anlässlich des Herdentriebs in der E.Hopper- Ausstellung / Museum Ludwig:
Die Frage nach dem Sinne jeglicher "Kunst für alle" stellt sich, da doch "alle"
nur das wahrnehmen, was sie wahrnehmen sollen, wollen oder müssen. Sie nehmen nicht wahr im Dienste der
eigenen Veränderung, sondern sie erkennen nur wieder oder entdecken etwas wie auf der Jagd, oder sie
lassen sich sehend belehren. Menschen ohne jegliche Vorkenntnisse hätten so gesehen eine große
Chance, von der Kunst berührt zu werden. Nur die gehn' ja gar nicht erst hin.
Welch ein tausendjähriger Kampf der Kunst, sich aus den Fesseln der Doktrin der christlichen
Leidensreligion zu befreien!
Nie war der Beweis der Wirkung durch das Original so deutlich als in der Zeit der fast unendlichen
Möglichkeiten der Bildreproduktionen.
Bei kaltem Wind und Schneematsch über den "Plattensee" in München (Naziaufmärsche,
Bücherverbrennung, Ausstellung Entartete Kunst) zu gehen und dann direkt dahinter die fantastische
Sammlung im Lenbach- Haus. Welch ein Stück deutscher Geschichte.
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