Osho  (1931 - 1990)

Je mehr du weißt, desto weniger hast du das Gefühl, etwas zu wissen. Je mehr du weißt, desto mehr spürst du, wie dich das Unbekannte von allen Seiten umgibt. Und im letzten Augenblick der Erkenntnis fällt alles Wissen. Du weißt nichts.
Jener letzte Augenblick ist wie eine endlose Nacht. Aber erst aus dieser dunklen Nacht wird der Morgen geboren. Aus dieser unendlichen Unwissenheit geht ein Licht auf, und dieses Licht ist Erkenntnis, ist höchste Einsicht. (S.274)

Wenn euch die Poesie entgeht, und ihr eine Frage der Logik daraus macht, zerstört ihr das Religiöse. Und damit helft ihr keinem..........Das Christentum wird so zu einer einzigen Absurdität - das Absurde steckt schon im Fundament. Wahrheiten sind poetische Wahrheiten......Religiöses Bewusstsein ist vom Menschen unberührt, es ist unverdorben. Religiöses Bewusstsein bedeutet, dass du alles fallen gelassen hast, was von Menschen stammt: Ideologien, Dogmen, und Kirchen aller Art, Begriffe, Sprache, Gebete, Formen und Rituale - alles Menschenwerk hast du abgelegt. In dem Schweigen, das dann entsteht wird Gott selber Teil von dir. Du wirst schwanger vom Göttlichen. Du trägst die Schwangerschaft aus, und in dir reift die Gewissheit, dass du jetzt etwas Wertvolleres besitzt als dein Leben. (S.255)

Religion ist Poesie, nicht Logik. Sie ist nicht einmal Philosophie - sie ist Kunst. Und Kunst lässt sich nicht beweisen. Kunst kümmert sich nicht um Beweise. Kunst kann dich ohne Beweise verführen..............Beweise werden nur in den niederen Gefilden gebraucht, wo die Sache nicht für sich selbst steht...........
Religion ist wie Liebe. Du fällst hinein - ohne jeden Grund. Beweisen kannst du nichts, und du brauchst auch nichts zu beweisen.............Es ist praktisch unmöglich, zu beweisen, dass es seine Richtigkeit damit hat. Daher beruht das Ganze auf Vertrauen, auf innerer Gewissheit, auf einer tiefen Blindheit. Aber in dieser tiefen Blindheit fängt dein inneres Auge zum ersten Mal an zu funktionieren. (S.256/57)

Wenn du einfach nur still bist, findet eine Vereinigung statt, eine Verschmelzung - du löst dich auf! Genauso wie Eis, das schmilzt und seine Konturen verliert, bis du nicht mehr weißt, wohin das Eis verschwunden ist....es ist eins geworden mit dem Meer. Die Sonne geht auf und das Eis schmilzt und wird zu Wasser. Das Schweigen geht auf und deine geistige Form, dein eisförmiger, gefrorener Geist, fängt  zu schmelzen an - dein Ego löst sich auf. Plötzlich gibt es nur noch den Ozean, und du bist nicht mehr. Das ist der Augenblick von Religion. So wird in dir Religion geboren. (S.254)

Wenn du die Vergangenheit einmal völlig beiseite lässt, eröffnet sich dir eine ganz andere Art von Schönheit. Eine Schönheit, die nichts mit deinem Vorurteil zu tun hat, die kein Verstandesprodukt, die nicht aufgesetzt ist, die nichts mehr mit Interpretation zu tun hat. Du tauchst einfach in dieses Gesicht ein, hier und jetzt nimmst du zutiefst an diesem Geheimnis teil, an diesem Menschen hier und jetzt. In einem solchen Moment ist dieser Mensch weder schön noch hässlich; alle Werturteile sind verflogen, ein unbekanntes Mysterium hat sich offenbart, ohne Namen, ohne Urteil. Und nur in Augenblicken solcher Urteilslosigkeit blüht die Liebe auf..............Liebe ist kein Akt; sie ist ein Seinszustand............
Wer urteilt ist ein Kritiker, kein Liebender.........
Wenn ein Buddha einen Fels berührt, ist er kein Fels mehr - jetzt wird er lebendig, jetzt schlägt ein Herz in ihm. Wenn du dagegen einen Menschen berührst, ist er ein Felsblock, kalt und tot. Deine Berührung tötet alles, denn sie ist von Urteilen vergiftet, sie ist ein Feind, kein Freund. (S.62-64)

Die Sufis singen; sie predigen nicht. Denn das Leben ist ein Lied und keine Kanzelpredigt. Und sie tanzen, anstatt über Dogmen zu reden, denn Tanz ist lebendig, das Tanzen ist der Schöpfung viel näher - den Vögeln, die in den Bäumen zwitschern, dem Wind, der durch die Föhren rauscht. Tanzen ist wie das Rauschen des Wasserfalls, wie das Niederprasseln des Regens, wie das Gras, das wächst. Das ganze Leben ist ein Tanz, bebend und pulsierend vor unerschöpflicher Lebendigkeit. (S.13/14)

Aber sobald du anfängst ins Herz zu fallen...Und es ist ein Fallen, wie wenn man in einen Abgrund fällt.......Es ist ein Fall, für den Kopf ist es wie ein Fall, eine Verirrung, ein Verrat. Wenn du beginnst ins Herz zu fallen, wird es einsam um dich, denn dorthin kann dir keiner folgen..........Eine nie gekannte Angst überkommt dich. Und meine ganze Anstrengung geht dahin, euch die Angst zu nehmen, denn nur durch das Herz kommt ihr zur Neugeburt.
Aber bevor ihr neu geboren werden könnt, musst ihr sterben. Keiner kann neu geboren werden, bevor er nicht gestorben ist.
Sufismus, Zen, Chassidismus - alles Formen des Sufismus - lehren nur dies eine: wie man stirbt; die Kunst,  zu sterben, ist das eigentliche Fundament.....
Wenn du stirbst, öffnest du dich den unendlichen Quellen des Lebens. (S. 15/16)


aus: Osho - der Sufiweg (until you die)
Innenwelt Verlag/ überarb. Auflage 2007
Transkribierte Tonbandaufnahmen von aus dem Stegreif Gesprochenem. Osho hat keinerlei Texte aufgeschrieben