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ma rose 8/08
Spätsommerliche Sonne beherrscht den Raum unserer Stadt. Vor dem Café sitzen Leute, die ihr ‚Zigarettchen’ in Ruhe ‚genießen’ können.
Innen im Café sitze ich zurzeit solo; den Menschen tut die Sonne gut. Das Wetter ist heute wie ein Erwärmungsbad für die Seele. Lange war unser Hochsommer grau,
kühl, nass, - jetzt baden wir in Licht und Wärme, dürfen die noch sommerliche Natur wahrnehmen und unsere Seelen ein wenig aufrichten.
Als hätte mich die Erde wieder, - allerdings auf einer neuen Ebene -, eine 3-Monatskrise liegt hinter mir und wird mir bewusst.
Eine neue, frische Wahrnehmung liegt mir zu Gebote, weiter, tiefer, stiller.
Wie wohltuend, dass ich wieder schreiben möchte! Als hätte ich mir stillschweigend verboten, im letzten viertel Jahr etwas schriftlich zu fixieren.
Was dabei für meine Bilderwelt herausspringen wird, ist nicht absehbar, da ich noch nicht spüre, was da als neues Geschenk herausgearbeitet werden möchte.
Innerhalb der Krise habe ich eine Reihe von Rosenbildern mit ‚Begleitmusik’ erarbeitet:
1. 8mal eine Rose in Öl auf Leinwand, aufrechtes, mittelgroßes Format, - Serie 18/R-.
2. eine Mappe mit 40 Blättern, Tuschpinselarbeiten in Chinatusche auf Japanpapier, Zeichen
und Texte-, mit dem Titel "ma rose".
3. eine kleine Anzahl homevideos auf CD-Rom, eine Art Tagebuchporträt.
4. einige, etwa Din/A4-große Zeichnungen mit Texten, die bei Hans am Tisch entstanden, wie
so viele meiner kleineren Arbeiten.
Mein Traum wäre es, diese Produkte in einer bescheidenen, weißen Galerie versammelt auszustellen: die Ölbilder an die Wand, die Zeichnungen einleitend oder auf
lockernd dazwischen. Eine Bildernische stelle ich mir vor, die an ihrer hinteren Wand mit einem Flachbildschirm versehen ist. Auf ihm sollen in gleichmäßigen
Zeitabständen meine Tuschpinselarbeiten sichtbar werden, dazu der jeweils entsprechende Text, von mir zuvor auf Tonband verlesen, zu hören sein. Das Tryptichon der
Serie "R", ein im Einzelbild etwas kompaktes Format, könnte in nicht allzu großer Entfernung zu dieser Bildernische hängen. Die kleinen Tagebuchvideos stelle ich mir
auf einem im Grundriss quadratischen, eher kleinen Sockel mitten im Raum vor. Dort sollen sie, etwa in Bauchhöhe, leise vor sich hin plätschern/ plappern. Bei
größeren Räumlichkeiten wäre eine schöne Alternative zu der Bildernische, alle Blätter der Tuschpinselmappe an einem nahezu unsichtbaren Perlonband
kurz vor der Wand mit Holzwäscheklammern anzuklammern und dann jeweils unter jedem Blatt dessen Text, jetzt in zurückhaltender Computerschrift zu wiederholen,
dass durch eine leise Zuordnung die Texte auch rückschließend auf den Blättern wahrgenommen werden können. (Sie sind zum Teil schwer zu lesen). Dazu den Gesamttitel
mit den übergeordneten Daten.
Nun haben Hans und ich vor, zu der kürzlich vorgenommenen Neuaufwertung seiner Praxisräume und seinem Entschluss, weiterzuarbeiten mit offenem Ende, eine kleine
Feier zu veranstalten: evtl. der Titel „25 Jahre, und es geht weiter“. Zu diesem Anlass eine entsprechend kleine „Rosenausstellung“, mit dem Titel“ ma rose“.
Hierzu würde ich dann wohl vornehmlich die Bilder auf Leinwand und die Zeichnungen zeigen.
Das ganze Geschehen der Arbeit mit der Rose rankt sich – wie könnte es anders sein – um das
zarte Thema der Vergänglichkeit. Schon vielfach in der Kultur- und Kunstgeschichte der ganzen Erde bemüht, habe ich diese Thematik im vergangenen Zeitraum so
intensiv empfunden, dass es heraus musste, mit den entsprechenden Gestaltungen. Hans hat’s auch erwischt. Wir sind ständig mit diesem fundamentalen, schönen
Stoff beschäftigt, in unterschiedlicher Form. Etwas peinlich ist uns dabei, dass erst jetzt, wo’s knapp wird mit der Zeit -sprich: scharf zu erkennendes
Lebensende-, das Thema beginnt zu brennen. Dabei wär’s so wunderbar, hätte man schon als kleines Kind gelernt, dass die Endlichkeit dieses körperlichen Daseins
so empfindlich begrenzt ist, so ungeheuer verletzlich und uns sekundenschnell gefährdet. Diese kaum zu fassende hohe Verletzlichkeit unseres irdischen Daseins ist
eigentlich wie ein Beweis dafür zu erkennen, dass es auf den Bestand und die Erhaltung dieses fleischlichen Daseins nicht ankommen kann! Und dennoch besteht unsere
Kultur- und Religionsgeschichte, ja sogar weitgehend die Geschichte der westlichen Philosophie, aus dem wohlgemeinten Bemühen, genau dies auf mehr oder weniger
tiefe, amüsante oder verzweifelte Art und Weise zu fixieren und uns immer und immer wieder mit diesem angestrengten Vorhaben zu überschütten, sodass wir
schließlich derart imprägniert sind, dass es fast unmöglich scheint, dort auszubrechen.
Seit etwa einem Jahrhundert hat sich nun auch im Westen etwas daran geändert. Mit dem Aufkommen der fundamentalen Psychologie, der Hinwendung zur
östlichen Philosophie von großen Künstlern, Ärzten und Philosophen, mit der Öffnung des spirituellen Raumes unseres festgezurrten Abendlandes, entsteht
für uns eine neue Möglichkeit, aufzuräumen mit dem eingeübten Wegschauen vom Tod, vom minütlichen Sterben mit der Schönheit der Vergänglichkeit. Die große,
äußerliche Gegenbewegung im Sog des Materialismus ist allerdings derart radikal, dass die Anforderung an den einzelnen scheinbar so hoch ist, dass sie sich
in diesem neuen Bewusstsein wiederum zu Gruppen zusammenschließen und nicht merken, wie sie dem alten Moloch erneut auf den Leim gehen, - gerade auch in
spirituellen Kreisen mit ‚Niveau’!
Aber: es ist möglich, JETZT !
In dem tiefen Wunsch, dass ‚meine Rosen’ einen kleine Beitrag zu dieser Möglichkeit liefern,
sehe ich jetzt auf diese Arbeit zurück.
„ die vergebliche Anstrengung unserer Dämonen,
deiner Gegner, liebste Rose, -
gegen die tödlichen Schwerter deiner Dornen,
im weißen Licht
deines schwarzen Blutes “
Die späte, lichte Wärme treibt uns noch die schönsten Rosenblüten aus in unserem Garten.
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