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Serge Poliakoff, Emden 4/07
Eine Reise zu Serge Poliakoff nach Emden. Eigentlich kaum als Reise zu bezeichnen, da der Weg von Hamburg gerade mal 2,5 Stunden Autofahrt war. Nach dem Ausstellungsbesuch fühlte ich mich jedoch erneuert wie nach einer weiten Reise. Es war der riesige Abstand von dem Niveau der kulturellen Alster-Umgebung der Hansestadt zum künstlerisch spirituellen Niveau dieser herrlichen Ausstellung des Werkes von Poliakoff. Zugegeben, es passiert auch anderes in der Hamburger Kunstszene. Kürzlich hat Jonathan Meese in den Deichtorhallen enormen, geradezu kathartischen Wind - leider vor viel zu wenig Leuten - entfacht. Auch mit Hans Haake wurde in derselben Halle mal etwas anderes, die Kaufleute herausforderndes, in die Stadt geworfen. Allerdings der Tenor des die Stadt bestimmenden Alsterbildes entwickelt sich mehr und mehr einerseits zum platten sehr unhanseatischen Alstervergnügen (die ehrwürdigen Stadtväter hätten sich mit recht von diesem billigen, geistlosen Vergnügen abgewendet), und andererseits zu einem erschreckend langweiligen Kunstkonservatismus. Anders nur zwei Autostunden von Hamburg entfernt in Emden. Kaum Besucher. Genau wie damals 2001 bei der grandiosen Ausstellung von Emil Schumacher. Eine stattliche Auswahl von Poliakoffs Oeuvre wurden in diese von außen unschöne Kunsthalle geholt, die erst von innen ihre Vorzüge offenbart: Sie lädt den Besucher ein, in unterschiedlichen Lichtverhältnissen in verschieden großen, geformten und zu behängenden Räumen eine wunderschöne, konzentrierte Ausstellung zu erleben. Die Stille der Größe dieses viel zu wenig bekannten Malers kommt hier herrlich zur Entfaltung und Wirkung. Wir dürfen seiner Kunst begegnen. Wir können verharren. Wir dürfen uns ungestört verneigen. In Ruhe und durch die Bildwirkung bestimmte Aktivität. Keine Pädagogisierung, keine lauten Gruppen, keine aufdringlichen Führungen, kein Muff. Lichte und leicht verschattete Räume (die Poliakoff für seine Bilder bevorzugte) offenbaren uns die selbstbewusste und zugleich äußerst sensible Malerei dieses großen Meisters, dessen Kunst sich im Feld zwischen Byzanz und der Nähe zu den Konstruktivisten und der lyrischen Abstraktion äußert. Seine Kraft trifft auf ruhige Art ins Herz und fordert nachhaltig auf, das eigene Leben neu wahrzunehmen und zu gestalten. Mehr zu den so schönen Bildern zu sagen wäre vermessen angesichts des gelungenen Kataloges, den ich wie einen Schatz mit nach Hause genommen habe. Ein liebevoll gestaltetes Werk mit exzellenten Drucken auf angenehmen und passendem Papier, intelligenten, feinsinnigen Texten, die einfühlsam und bescheiden hinter Poliakoff’s Kunst zurücktreten, sie im Wort aufleben lassen und unterschiedlich erleuchten. Ebenso läuft ein hingeworfener Zusammenschnitt von kleinen Filmsequenzen, die uns Einblick in das entschiedene Leben dieses Riesen der Malerei gewähren. Seine Verwurzelung in der Musik, die in seinen Bildern so deutlich herauszuhören ist, sein erdiger Charakter und seine stattliche Männlichkeit wird uns hier in schlichten, dokumentarischen, belassenen Szenen aufgezeigt, berichten von den Schichten unter der kraftvollen Ruhe seiner Bilder und runden den Eindruck angenehm unprätentiös ab. |
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